Powered By Blogger

Sonntag, 9. August 2015

Richtig humorvoll übersetzen



Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/GDC-Europe-2015-Spiele-Lokalisierung-richtig-humorvoll-uebersetzen-2770754.html

GDC Europe 2015: Spiele-Lokalisierung - richtig humorvoll übersetzen








"Monkey Wrench" oder "Spanner"? Selbst innerhalb einer Sprache sind Anspielungen oder Wortspiele bei Lokalisierungen manchmal problematisch.


(Bild: Jorge Vicente )




Mark Estdale, Gründer des Lokalisierungs-Studios OMUK, plauderte in seiner GDC-Präsentation aus dem Nähkästchen und erklärte, warum gerade der Humor in Spielen bei der Übersetzung verlorengehen kann.


Es ist nicht immer einfach, wenn man Spiele lokalisieren will, mit der Übersetzung also eine Anpassung an die Gegebenheiten des Ziellandes verbunden ist. Mark Estdale beklagte besonders, dass bei Spiele-Übersetzungen der Humor verloren gehen kann. Problematisch seien speziell Wortspiele, meinte der Gründer des Lokalisierungs-Studios OMUK. Denn nur weil zwei Worte in der Ausgangssprache gleich oder ähnlich klingen, muss es in der Zielsprache nicht auch ein ähnliches Wortpaar geben.


Auch Lautmalereien ließen sich nur schwer übertragen. Treffen Wortspiele und Lautmalereien zusammen, sei es manchmal selbst mit dem besten Team unmöglich, einen Gag zu übersetzen. Als Beispiel zeigte er einen Dialog aus dem deutschen Spiel Deponia (siehe Bild).



Manche Witze lassen sich einfach nicht übersetzen. Dabei ist das Lokalisierungs-Team hier schon sehr weit gekommen.
Kontext und Beziehungen


Die Arbeit der Übersetzer werde auch dadurch erschwert, dass sie nur mit dem reinen Text arbeiten müssen. Dabei ergebe sich der Humor einer Situation auch durch Kontext, die Umgebung, die Beziehung zwischen den Figuren und ihren Bewegungen. Stehen dem Lokalisierungs-Team diese Informationen nicht zur Verfügung, weil sie das Spiel noch nicht gespielt haben oder sie nicht einmal Screenshots oder kleine Videos zu sehen bekommen, werden solche Witze schlicht übersehen.


Auch eine sklavische Orientierung am Originaltext sei nicht hilfreich – vielmehr müsse das Team dem Sinn folgen: Nicht welcher Text, sondern welche Geschichte wird gerade erzählt. Und notfalls müsse man den Text entsprechend um- oder gar neuschreiben, damit er das Eigentliche vermittelt, selbst wenn er dabei komplett von der Vorlage abweicht.
Missverständnisse


Doch selbst innerhalb einer Sprache ist nicht gesagt, dass ein Witz richtig ankommt, beispielsweise bei visuellen Gags. In Monkey Island 2 etwa muss der Spieler in einem Rätsel ein Ventil an einer Wasserpumpe aufdrehen. Die Lösung: Man greife sich das darauf sitzende Äffchen als Werkzeug.


Für Amerikaner ist das klar, denn dort heißt die benötigte Rohrzange, die man so simuliert, „monkey wrench". Briten dürften sich über diese Lösung ebenso gewundert haben, wie über die Animation, die ohne den Kontext als obszön interpretiert werden konnte. In Großbritannien heißt dasselbe Werkzeug nämlich „spanner". (bkr)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen