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Freitag, 29. Mai 2015

Regionsbedingte Unterschiede unserer Muttersprache

In meinen Kursen bereite ich meine Schüler schon sehr früh darauf vor, dass wir selbst in unserer eigenen Muttersprache nicht wirklich behaupten können, perfekt zu sein. Dafür kommen eigentlich jeden Tag zu viele neue Wörter hinzu, bei denen es sich zwar um deutsche Wörter handelt, die aber für uns vollkommen neu sind. Ein ganz großer Bereich, in dem das quasi an der Tagesordnung ist, ist der Technikbereich. Hier gibt es ständig neue Entwicklungen, Erfindungen, Neukonstruktionen etc., da müssen ständig neue Wörter geprägt werden. Oder denkt doch nur mal an die Computerindustrie. Ich bin noch in einer Zeit aufgewachsen, in der es so etwas wie Computer in unserem Privat- oder Geschäftsleben noch gar nicht gab. Ich weiß noch, wie wir damals bei der US Army im Jahr 1982 die ersten Zenith-Computer bekamen. Es war, als würde man eine komplett neue Sprache lernen, und heute sind die Begriffe ganz selbstverständlich ein Teil unserer deutschen Sprache. Die Zeiten ändern sich. Sprachen sind nichts Starres, Unveränderliches. Nicht umsonst werden z. B. jedes Jahr von der Oxford University Press 'Dictionaries of New Words', also Wörterbücher neuer Wörter, herausgegeben.

Einen ganz anderen Grund für Probleme mit der eigenen Muttersprache sind natürlich auch die regionsbedingten Unterschiede, die ich heute gerne ansprechen möchte. Ich denke, dass jeder hierfür bestimmt viele eigene Beispiele kennt. Im Schwabenländle wird anderes Deutsch gesprochen als in Hannover. In Bayern wird nicht unbedingt dasselbe Deutsch gesprochen wie auf den ostfriesischen Inseln usw. Und obwohl man von derselben Sache spricht, werden andere Worte zur Bezeichnung dieser Sache verwendet. Hier sei stellvertretend für viele ein Beispiel angeführt:

Auf meiner Seite www.facebook.com/TechnischesUebersetzungsbuero übersetze ich kleine fremdsprachliche Beiträge in unsere Muttersprache. Da hatte ich heute eine recht interessante Diskussion, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Ich hatte den Begriff 'litter box' wie ich es schon von Kindesbeinen an gewohnt war, mit 'Katzenkasten' übersetzt. Daraufhin erhielt ich eine PN mit der entsetzten Frage, warum ich denn fälschlicherweise diesen Begriff verwendet hätte, denn es würde doch 'Katzenklo' heißen und nicht 'Katzenkasten'. Ich muss dazu sagen, dass ich von der norddeutschen Küste stamme, und hier benutzen wir den Begriff 'Katzenkasten'. Aber vorsichtshalber habe ich den Begriff zusätzlich noch in den Browser eingegeben, nur um ganz sicher zu gehen. Und der von mir verwendete Begriff wurde bestätigt. Ein Blick meiner Gesprächspartnerin auf den Katzenstreubeutel ergab dann sogar noch einen dritten Begriff, nämlich 'Katzentoilette'.

Ihr seht also, wie schnell es zu Missverständnissen kommen kann. Daher lautet eine der Regeln des Übersetzens: Findet heraus, für welches Publikum Ihr schreibt oder übersetzt, denn nur so kann man das entsprechend berücksichtigen und Missverständnisse vermeiden.

©Waltraut Lang

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